Der Anfang
Alkohol hat funktioniert.
Schon in meiner Jugend merkte ich, dass Alkohol Hemmungen senkte und sozialen Kontakt leichter machte. Das ist ein wichtiger Teil der Geschichte, weil sonst unverständlich bleibt, warum er so lange in meinem Leben blieb.
Ebenfalls früh gab es einen schweren Absturz und Blackout. Trotzdem setzte sich nicht sofort die Erkenntnis durch, dass ich aufhören müsste. Zwischen Wissen und Veränderung lagen viele Jahre.
Später
Das Leben wurde kleiner, obwohl es nach außen weiterlief.
Über die Jahre wurde mein Konsum problematischer. Ich zog mich stärker zurück; Gesellschaft und Kommunikation fanden teilweise online und mit Alkohol statt. Zeitweise wurde das Trinken sogar öffentlich dokumentiert oder gestreamt.
Leere Flaschen sammelte ich eine Zeit lang wie Pokale. Heute klingt das deutlich. Damals konnte es sich wie ein Teil meiner Online-Person und meines Alltags anfühlen.
- Alkohol möglichst immer zu Hause
- Unruhe, wenn er nicht verfügbar war
- Aufhörcontent schauen, während ich selbst noch trank
- Wohnung, Arbeit und Geld als Gegenargument benutzen
Die Rechtfertigung
Es war nie schlimm genug – jedenfalls nach meinen eigenen Maßstäben.
Solange wichtige Teile des Alltags funktionierten, konnte ich mich an ihnen festhalten. Ich verglich mich nicht mit meinem eigenen Zustand, sondern mit einem extremen Bild davon, wie schlimm es sein müsste.
Ich brauchte am Ende keinen äußeren Tiefpunkt, der mir die Entscheidung abnahm. Der Wendepunkt bestand auch darin, nicht länger darauf zu warten, dass alles sichtbar zusammenbricht.
Der Versuch
Tag. Woche. Monat. Weiter.
Am 3. Mai 2022 war mein letzter Trinktag. Ich begann nicht mit einem großen „nie wieder“. Der nächste Tag war greifbarer als der Rest meines Lebens.
Die ersten Wochen bestanden auch aus Rückzug und dem Meiden von Trinkumfeldern. Gefühle wurden stärker wahrnehmbar, Langeweile bekam Raum und mein soziales Umfeld begann sich zu verändern.
- Seit dem 3. Mai 2022 nüchtern
- Nach dem Stand dieses Projekts keine Rückfälle
- Im Oktober 2022 nach Malta ausgewandert
- Nüchternheit als Ausgangspunkt, nicht als Endpunkt
Heute
Ich erzähle keinen einzig richtigen Weg.
Meine Geschichte kann Wiedererkennung schaffen, aber sie ist keine Behandlungsempfehlung. Ich bin weder Arzt noch Therapeut noch Suchtberater.
Was ich anbieten kann, ist Genauigkeit über meinen eigenen Weg: was funktioniert hat, was ich mir lange eingeredet habe und was nach dem Aufhören nicht automatisch gelöst war.